Ein Nextcloud 35 Upgrade solltest du erst starten, wenn PHP, Betriebssystem und Datenbank passen. Die neue Hauptversion zieht mehrere Mindestversionen an. Wer das vorher prüft, vermeidet einen abgebrochenen Update-Lauf und unnötig lange Wartung.
Der Anlass ist aktuell: Nextcloud 35.0.0 erschien am 15. September 2026, das Wartungsrelease 35.0.1 folgte am 24. September. Für ein Homelab ist das ein guter Zeitpunkt, die Instanz nicht nur auf neue Funktionen zu prüfen, sondern auch die Plattform sauber vorzubereiten.
Warum Nextcloud 35 vor allem ein Plattform-Upgrade ist
Bei einem Nextcloud 35 Upgrade ändert sich mehr als der Anwendungs-Code. PHP 8.2 wird nicht mehr unterstützt. Außerdem hebt Nextcloud die offiziell unterstützten Mindestversionen von Debian auf 13 und von Ubuntu auf 24.04 an.
Auch die Datenbank verdient Aufmerksamkeit. MariaDB 10.6 fällt aus dem Support; als Mindestversion nennt Nextcloud jetzt MariaDB 10.11 LTS. Bei MySQL endet die Unterstützung für 8.0, während MySQL 8.4 LTS als Mindestversion gilt.
Das ist besonders wichtig, wenn Nextcloud in einem länger laufenden Docker-Stack oder auf einem kleinen Server installiert ist. Ein neues Nextcloud-Image hebt nicht automatisch den Datenbank-Container oder den Host an. Deshalb solltest du die Versionskette als Einheit planen.
Die Versionskette vor dem Upgrade prüfen
Schreibe zuerst den Ist-Zustand auf: Nextcloud-Hauptversion, PHP-Version, Datenbank-Version, Betriebssystem und Installationsart. Danach vergleichst du diese Werte mit den offiziellen Hinweisen zu Nextcloud 35. So erkennst du früh, ob vor dem eigentlichen Update ein Plattform-Schritt nötig ist.
- PHP 8.2 ist für Nextcloud 35 nicht mehr unterstützt.
- Debian muss mindestens Version 13 erreichen, Ubuntu mindestens 24.04.
- MariaDB braucht mindestens 10.11 LTS; MariaDB 12.3 wird ebenfalls unterstützt.
- MySQL 8.4 LTS ist die neue Untergrenze; MySQL 9.7 wird unterstützt.
Setzt du bereits MySQL 9 oder höher ein, kommt ein weiterer Punkt hinzu. Laut den Release Notes hat MySQL 9 die Unterstützung für MD5 entfernt. Teile des Nextcloud-Ökosystems können darauf noch angewiesen sein. Die Dokumentation nennt dafür das Laden der Komponente component_classic_hashing auf dem MySQL-Server. Prüfe diesen Eingriff jedoch in einer Testumgebung und folge der MySQL-Dokumentation für deine Installation.
Nextcloud 35 Upgrade: Apps und den Pfad vorbereiten
Nextcloud erlaubt keine Sprünge über Hauptversionen. Zuerst muss deine aktuelle Hauptversion auf ihrem neuesten Wartungsstand sein. Danach gehst du jeweils auf die nächste Hauptversion und wiederholst den Vorgang, bis du das Ziel erreicht hast.
Das betrifft vor allem Instanzen, die mehrere Jahre nicht gepflegt wurden. Ein direkter Weg von einer alten Generation nach 35 ist nicht vorgesehen. Nach jedem Hauptversionsschritt müssen außerdem die Hintergrundmigrationen fertig laufen, bevor der nächste beginnt.
Prüfe danach alle Apps von Drittanbietern. Nextcloud verlangt, sie vor dem Update zu deaktivieren; erst nach erfolgreichem Abschluss darfst du sie wieder aktivieren. Notiere deshalb vorab, welche Erweiterungen produktiv wichtig sind, und kontrolliere ihre Kompatibilität mit der Zielversion im jeweiligen App-Verzeichnis.
Gerade Integrationen für externe Speicher, Office, Kalender oder Login können den Wartungsplan beeinflussen. Plane daher nicht nur das Core-Update, sondern auch Zeit für einen Funktionstest. Das passt zu der Regel, die auch bei einem abgesicherten NAS gilt: Änderungen an zentralen Datenservices brauchen einen nachvollziehbaren Rückweg.
Backup und Wartungsfenster richtig einplanen
Vor jedem Nextcloud 35 Upgrade fordert die offizielle Anleitung ein frisches Backup. Sichere dabei nicht nur Nutzdateien. Für eine belastbare Wiederherstellung gehören auch Datenbank, Konfiguration und der zum Installationsweg passende Anwendungsstand dazu.
Ein Upgrade ist störend für den Betrieb. Nextcloud setzt die Instanz in den Wartungsmodus, sodass angemeldete Nutzer gesperrt werden und neue Anmeldungen nicht möglich sind. Große Installationen können laut Dokumentation mehrere Stunden benötigen; auch kleinere Instanzen verdienen deshalb ein angekündigtes Wartungsfenster.
Wichtig ist die Konsequenz daraus: Es gibt keinen unterstützten Downgrade-Weg. Bei Problemen sollst du nicht einfach eine alte Programmversion über die neue Installation legen. Nextcloud empfiehlt stattdessen eine frische Installation und eine Wiederherstellung aus dem Backup.
Testweise solltest du die Sicherung vor dem Termin lesen können und den Wiederherstellungsweg dokumentieren. Ein Backup auf demselben Storage schützt nicht vor allen Fehlern. Wenn dein Storage ein NAS ist, hilft dir auch der Überblick über lokales NAS statt Cloud-Abo, die Ablage und Verantwortung bewusst zu planen.
Den passenden Update-Weg wählen
Für archivbasierte Installationen nennt Nextcloud zwei Wege: den eingebauten Updater, entweder im Web oder auf der Kommandozeile, sowie das manuelle Aktualisieren mit einem heruntergeladenen Archiv. Der eingebaute Updater ist laut Dokumentation für die meisten Umgebungen die einfachste Wahl.
Bei Snap, Docker, vorkonfigurierten VMs oder Paketquellen gilt etwas anderes. Dort sollst du die Update-Anleitung des jeweiligen Installationswegs nutzen. Das ist kein Detail: Der Updater im Container löst weder ein ungeeignetes Basis-Image noch einen erforderlichen Datenbankwechsel.
Für eine klassische Ubuntu-Installation dokumentiert Nextcloud den Wartungsmodus mit folgendem Muster. Passe Pfad und Webserver-Benutzer nur an, wenn sie in deiner Installation tatsächlich so heißen:
sudo -E -u www-data php occ maintenance:mode --on
Der eingebaute Updater aktiviert den Wartungsmodus selbst, bevor er den Code ersetzt. Deshalb solltest du nicht zwei unterschiedliche Verfahren vermischen. Entscheide dich vorab für den zu deiner Installation passenden Ablauf und halte dich an dessen Dokumentation.
Nach dem Nextcloud 35 Upgrade kontrollieren
Nach dem Nextcloud 35 Upgrade endet die Arbeit nicht mit der Versionsanzeige. Prüfe zuerst Administrationseinstellungen und Protokoll auf Hinweise. Aktiviere Drittanbieter-Apps anschließend einzeln und teste die Funktionen, die in deinem Alltag wichtig sind.
Die Dokumentation führt zudem Wartungsbefehle für fehlende Datenbankstrukturen auf. Dazu gehören fehlende Spalten, Indizes und Primärschlüssel. Mit --dry-run lassen sich die SQL-Abfragen zunächst ausgeben, statt sie sofort auszuführen. Das ist sinnvoll, bevor du eine Änderung auf einer produktiven Datenbank anstößt.
sudo -E -u www-data php occ db:add-missing-indices --dry-run
Kontrolliere außerdem Upload, Download, Freigaben, Hintergrundjobs und die Datenbankverbindung. Die Änderungen in 35.0.1 betreffen unter anderem Freigaben, Papierkorb, Verschlüsselungs-Key-Cache und Dateinamen beim Upload. Ein kurzer Test dieser Wege ist daher hilfreicher als ein Blick auf die Login-Seite allein.
Fazit
Das Nextcloud 35 Upgrade ist gut planbar, wenn du es als Plattformprojekt behandelst. Prüfe zuerst die Mindestversionen, aktualisiere ohne Versionssprünge, sichere die Instanz vollständig und teste Apps sowie Kernabläufe danach. So wird aus einem aktuellen Release kein Risiko für die eigene Datenablage.
Quellen
Nextcloud Server 35.0.1: offizielles Release und Changelog
Nextcloud-Dokumentation: Hinweise für das Upgrade auf 35
Nextcloud-Dokumentation: allgemeiner Upgrade-Ablauf
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